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Mittwoch, 11. Oktober 2006
Rohrstau (tool time IV)

Seit einigen Tagen lief im Badezimmer das Wasser im Waschbecken nicht mehr so gut ab, nicht dass es vorher perfekt verschwand, aber es wurde nicht besser. Als Projekt für kommendes Wochenende abgespeichert und schnell vergessen.

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Heute Abend beim Abspülen, die Spülmaschine ist noch nicht da, im Prinzip ist sie noch nicht mal bestellt (Projekt für kommendes Wochenende), hatte ich vergessen, den Pröppel in die Spüle zu pröppeln. Das fiel jedoch nicht weiter ins Gewicht, weil das Wasser auch so ganz gut stehen bliebt. Soweit, so gut. In unserer Doppelspüle stand nun einigermaßen viel dreckiges Geschirr und leicht modriges Schmutzwasser. Eine nicht sehr erfolgreiche Mischung. Das Abendprogramm, live Bar-Jazz im Bunker-Ulmenwall, schien vor dem Hintergrund des Spül-Gas-Wasser-Scheiße-Massakers für mich nicht mehr sonderlich attraktiv. Also fuhr ich, nachdem ich im Licht einer Straßenlaterne mein Fahrrad repariert hatte, zu marraines alter WG, um mir einen Pömpel (Holzstiel mit Gummipfropfen) und ein Rohrfrei-Gel zu holen. Der Rest Rohrfrei-Zeug hätte vielleicht noch gereicht, um ein Schnapspinchen zu füllen, also: Mechanik. Meiner Meinung sowieso immer die bessere Wahl. Das lösbarere Problem, quasi das Freundschaftsspiel zuhause gegen Lichtenstein, schien sich im Badezimmer zu befinden. Pömpel angesetzt, durchgedrückt und prompt eine mittlere Überschwemmung ausgelöst. Die Verstopfung war selbstverständlich fester als ich dachte und das Wasser wählte seinen Weg durch den Überlauf in hohem Bogen auf den Boden. Animiert durch Albtraumjägers Siphon Erlebnisse, war der Griff zur Rohrzange sowie einer Flasche Rotwein nicht weit. Die (Zange) war leider viel zu klein und so habe ich flux mit der Hand den kompletten Unterbau des Waschbeckens zerlegt. Kam einiges an Wasser zum Vorschein, aber das war nicht alles. Optisch wie auch in der Welt der Gerüche bot sich ein buntes Pottpourie. Gefühlte 130 Jahre (wir wohnen hier seit 3 Wochen) waren wundervolle Dinge wie Haare, Schrauben, Schlick und anderes, nicht mehr identifizierbares Zeug, der Menschheit verborgen geblieben.



Den ersten Ekel überwindend, widmete ich mich dem Reinigungsprocedere. In Ermangelung von Spezialwerkzeugen griff ich zu meinen eigenen Händen (!) und nach 10 Minuten sowie viel heißem Wasser aus der Dusche waren alle Teile wieder blitzblank. Im Gegensatz zur Duschwanne. Kollateralschaden. Nach der Reinigung und dem professionell durchgeführten, handwerker-liken Kopfschütteln, wurde das finale Zusammensetzen zu einem Fest souveräner, routinierter Handgriffe. Das problemlose Ablaufen des Wassers war keine Überraschung, sondern nur das Ergebnis bester Handwerkskunst. Achtung, Schulter: Klopf, klopf! Das wesentlich ernsthaftere Problem stellte der halbvolle Eimer stinkender Grütze zu meiner Rechten dar.



Das Zeug war so dickflüssig und klumpig, dass ich es nicht einmal der – Kummer gewohnten - Kloschüssel übergeben wollte. Also hinaus auf die Straße und ab damit in den nächsten Gulli. Selbiges entwickelte sich zu einer kleinen Odyssee. Versucht mal um 22 Uhr abends innerstädtisch einen Gulli zu finden, der nicht von einem Auto zugeparkt ist! Eben. Während meines nächtlichen Spaziergangs animierte mein Marschgepäck einige Jugendlichen mit Migarationshintergrund, welche - Duftstäbchen inhalierend - in einer Hofeinfahrt standen, dazu, sich nach meinem Missionsziel zu erkundigen: „Eh, Alter, was machst du mit dem Eimer, äh?“ Einigermaßen verwundert wollte ich zuerst meine Leidensgeschichte der letzten Stunden vortragen, entschied mich dann jedoch für die phantasievollere und jugendgerechtere Variante: „Ich habe eben ein paar Kinder geschlachtet und wollte gerade die Abfälle innen Gulli kippen. Wisst ihr, wo nen Gulli ist?“ Schweigen. Bei der Autowerkstatt, am Ende der Straße, fand ich schließlich eine Möglichkeit zu fachmännischen Entsorgung. Auf dem Rückweg schauten die Jugendlichen nur noch auf den Boden, unfähig oder unwillig zu einer Reaktion. Im Gegensatz zum süßlichen Duft in der Hofeinfahrt, roh es in der Wohnung eher streng bis gammelfleischig. Herr A. weiß ein Lied davon zu singen.
Dennoch widmete ich mich frohen Mutes der Küchenproblematik, immerhin wollte heute Nacht noch einiges an Geschirr weggespült werden. Der Siphon machte einen einigermaßen aufgeräumten, geradezu sauberen Eindruck. Die Verstopfung musste also weiter hinten in der Abflusskette liegen. Hier hätte ich gern auf eine Spezial-Kamera zurückgegriffen, meine Webcam ist ein bisschen zu groß und ein vielchen zu sauber. Außerdem ist das Kabel nur ca. 1 Meter lang. Daher musste der Rest einer Ikea-Gardinen-Aufhängung als Explorer dienen. Das Stallkabel blieb nach ungefähr 1,5 Metern stecken.



Also wichen einige Windungen und Rohre meiner Abenteuerlust. Nach dem schmutzwasserintensiven Weg, auf dem viele Lappen und Handtücher ihre Farbe leicht bis stark veränderten, landete ich dort, wo der Hund begraben war. So roch es wirklich. Dort angelangt, blieb mir keine andere Wahl als die Scheiße buchstäblich auszulöffeln.



Unsere Nachbarn werden vermutlich kein Auge zugetan haben. Das Kratzen und Schaben ging mir selbst auf die Nerven und das um 00.00 Uhr. Löffel für Löffel, immer wieder unterbrochen vom Stochern mit dem Stahlseil, kam zum Vorschein. Am Ende war alles gut.



Nach ca. 3,5 Stunden habe ich den letzten Eimer zur Werkstatt gebracht, die Jugendlichen waren wahrscheinlich ins Bett oder ins Wett-Cafe-Tee-Stübchen gegangen und marraine hat sich, nach ihrer Rückkehr, beglückt von wundervollen Jazz-Klängen, den Geschirrbergen gewidmet, jedoch nicht, ohne mich mit strenger Stimme darauf hinzuweisen, dass ich ruhig mal die alten Lappen hätte benutzen können. Die Waschmaschine wird es richten, Wasser marsch!

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das unterscheidet uns eben: ich hätte aus der reparatur ein wochenprojekt der blut-schweiß-und-tränen-klasse gemacht, inkl. ehestreit und umzugsplänen. christel dagegen regelt sowas an einem abend und hat noch die muße für eine fotodokumentation. tsetse...

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Das nenne ich doch mal einen herausragenden Fall von Heimwerker-Heldentum. Sehr unterhaltsme Geschichte, außerdem!

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An diversen Stellen des Textes freute ich mich, von vornherein die Duftsimulation meines Computers deaktiviert zu haben... Dank gebührt Ihren Vormietern für deren handwerkliche Inaktivität - und Ihnen für die Dokumentation der Geschichte.
Es grüßt Ka.

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