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Montag, 6. September 2004
Pause

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MEMOMARATHON: Pusten bis der Schmerz nachlässt

Es gibt viel zu tun an diesem sonnigen Montag. Top 1: Wieder in den Memomarathon einsteigen.

Im Ostwestfälischen ist eine Tradition stärker ausgeprägt als in allen anderen Regionen unseres Vaterlandes: Die Posaunenchorbewegung. Das hat bestimmt dreimillionen gute Gründe, einer ist Johannes Kuhlo. Der Mann war am Abend seines Lebens nicht nur ein gradliniger Nazi, er hat in jüngeren Jahren halb Ostwestfalen ein Flügelhorn oder eine Posaune in die Hand gedrückt und auch noch dem letzten Bauern das Blechblasen beigebracht. Wir verdanken ihm wunderschöne Choralsätze in bläserfreundlichen B-Tonarten und eine "musikalische" Infrastruktur, die selbst in postmodernen Zeiten allgemeinen Werteverfalls überlebt hat. Und dies mithilfe einer ausgeklügelten Mischung aus Imitations- und Distinktionsstrategie. Natürlich ist es in modernen Posaunenchören längst üblich, auch Frauen ans Instrument zu lassen und in dem einen oder anderen Posaunenchor findet man sogar Musikanten mit dunkler Hautfarbe. Und obwohl im Lob Gott I, einem Standardwerk der Posaunenliteratur, durchaus noch Gassenhauer wie die germanische Nationalhymne zu finden sind (Allerdings unter habsburgerischer Flagge mit dem Titel "Gott beschütze Franz den Kasier"), wird inzwischen des Öfteren auch mal ein Gospel gespielt oder - zu besonderen weltlichen Anlässen - ein PUR-Song einstudiert. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich selbst es war, der seinem Heimatposaunenchor vor Jahren die unvertrauten Popklänge von PUR in unzähligen Proben nahebrachte. Andere Geschichte. So viel zur Imitationsstrategie. Auf der anderen Seite hat sich vieles nie geändert. Das Blasen am Heldengedenktag Volkstrauertag zum Beispiel. Wo zur Kranzniederlegung am Ehrenmal (das heißt immer noch so) ein einziger Trompeter versteckt hinter einer hohen Buchsbaumhecke stand und Ich hatt einen Kameraden intonierte. Oder eine Woche später das Spalier am Totensonntag Ewigkeitssonntag. Bei nicht selten minus fünf Grad Celsius standen wir eine halbe Stunde vor der Friedhofskapelle und spielten Hits wie Näher mein Gott zu Dir (Bekannt aus Titanic, dem Untergang, nicht dem Magazin) oder Ich bete an die Macht der Liebe, jenen Song, der angeblich in der Weihnachtszeit 70/71 nach dem Sieg über Frankfreich gespielt wurde. Ach ja. Sehr cool war immer das Geburtstagsblasen. Jeden Sonntag um 11 Uhr (nach dem Gottesdienst): Treffen am Jibi. Dann gings los zu den Senioren ü. 80, die in der letzten Woche Geburtstag hatten. Drei Stücke spielen, Kekse, Schnäpschen und 50 Mark für die Vereinskasse einsacken, noch eine Zugabe, Nächster. Und die Leute haben sich richtig gefreut. Kramten dauernd Taschentücher heraus und tupften sich bei Großer Gott, wir loben Dich (Alter Posauenwitz: Grober Klotz wir hobeln Dich) das Pipi aus den Augen. Und am allerschönsten war es, alle paar Wochen vor dem Krankhaus zu blasen. Wir stellten uns auf die Wiese vor das Hauptgebäude, spielten unsere Best of und konnten beobachten, wie nach und nach die Fenster zugingen. Und kurz vor Weihnachten zogen wir immer noch vor die Entbindungsstation und spielten Ihr Kinderlein kommet.

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Vierzeiler des Tages

Es war ein Mann in Singapur, der hatte einen Finger nur, mit diesem aber zeigte er den Leuten gerne hinterher.

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MEMOMARATHON - Einfallsreich

Na toll, wieder mal ein neuer Nazifilm in den Kinos - das ist es, was deutsche Filmemacher zu bieten haben neben Schwulen-/Kifferkomödien. Diese werden, so scheint es, im stetigen Wechsel produziert. Wer von den wenigen großen deutschen Schauspielern noch keinen SS-Offizier oder wenigstens einen Soldaten gespielt hat, muss sich bei den kalten Buffetts der VIP-Treffen ganz hinten anstellen. Wo ist denn mal ein bahnbrechender Science-Fictionfilm? Von mir aus mal einen total schlimmen Horrorfilm oder sonst irgendein Genre? Sicher, gute Filme werden hier nicht so spendabel finanziert wie in Amerika, wo sogar der Ersatzmann vom dritten Tonassistenten noch einen persönlichen Laufburschen hat. Aber wo sind die Ideen, der Wagemut mal eine neue Kulisse aufzubauen, anstatt wieder die alten WWII-Requisiten zu flicken und von beeindruckenden, historisch glaubwürdigen Umsetzungen zu schwärmen? Wo sind die Ideen, Leute? Naja, ich werde mir den Film mal ansehen. Scheint gut gemacht zu sein...

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Sonntag, 5. September 2004
MEMOMARATHON - Porsche

Porsche, Porsche, immer wieder redete er nur von Porsche. Jedes zweite Wort war Porsche, überall bei ihm hingen Poster von Porsche und natürlich auch noch sämtliches andere Zeug, dass irgendwann einmal in der Geschichte dieses Autoherstellers mit dessen Logo oder einem seiner Fahrzeuge bedruckt, bestickt oder modelliert worden war. Er liebte Porsche, das konnte man nicht anders sagen. Er wollte unbedingt einen besitzen, denn er hatte keinen. Tobi hatte Trisomie 21, aber das bedeutet erstmal nichts. Wenn er vom Porsche redete, meinte er natürlich den Porsche, den 911. Er wusste so viele Einzelheiten über diese Baureihe, dass er sich mit den entsprechenden Materialen vermutlich selbst einen hätte bauen können. Seine Mutter hatte ihm einmal verboten, jemals wieder das Wort Porsche zu erwähnen. Sie hätte seine Besessenheit satt, hatte sie gesagt. Da hat er eine zeitlang sehr unglücklich gewirkt. Hat versucht, Sätze zu bilden, ohne das Wort Porsche darin. Aber die klangen alle fad und leer und vollkommen porschelos für ihn. Man hört ja oft, dass Porschebesitzer etwas kompensieren wollen, versuchen, sich mit dem edlen Fahrzeug aufzuwerten oder vielleicht vor ihren Problemen mit einem möglichst schnellen Fluchtwagen zu entkommen. Bei Tobi konnte man sich so etwas nicht vorstellen. Er war eigentlich sehr glücklich. Er hatte zwar keinen Führerschein. Aber so lange er von Porsche reden durfte und davon träumen, einmal einen zu besitzen, schien er vollkommen erfüllt zu sein.

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"Die schmerzhafte Wahrheit: Alle Terroristen der Welt sind Muslime" wird die in London erscheinende arabische Zeitung Asharq al-Awsat von SpOn zitiert. Das ist natürlich nicht wahr. Aber es ist gut, dass es genau so formuliert wurde.

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Samstag, 4. September 2004

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Smyrnas lange Reise

1 In einem Wald, an einem See, an einem Septembermorgen

Lichtstrahlen sammelten sich in einem Wald, an einem See, an einem Septembermorgen und tanzten über das Wasser. Dieser zauberhafte Augenblick wurde doch sogleich von einem lauten Knall zerissen, als ein alter, morscher Eichenbaum zu Boden stürzte und zerbarst. Doch niemand war da, der das hätte sehen können, außer einem jungen Reh, dass natürlich fürchterlich erschrak. Und aus den unzähligen Splittern des toten Baumes kroch ein kleines Kerlchen hervor. Es sah aus wie ein Ding zwischen Mensch und Äffchen. Und man sah an seinen wachen Augen und seinem wissenden Lächeln, dass es einiges an Verstand besaß. Es war etwa so groß wie zwei Äpfel, wenn man sie aufeinanderstapelt. Es hatte ein dichtes, schwarzes, glänzendes Fell und riesengroße Ohren. Das Gesicht sah fast wie das eines Menschen aus. Nur die Nase war etwas dünner und länger als gewöhnliche Nasen. Man könnte sagen, es war ein kleiner Rüssel, der auf der Suche nach interessanten Gerüchen ständig hin- und herwackelte. So ein Wesen war in dieser Gegend nie gesehen worden. Und der Grund dafür war, dass der Wicht ein Dattelpalmenzwerglein aus dem Orient war. Diese Wesen kommen erst auf die Welt, wenn der Baum, in dem sie aufwachsen, stirbt. Während dieser Zeit sitzen sie in ihrer Baumhöhle und schlafen oder denken nach. So ist auch zu erklären, dass Dattelpalmenzwerglein die klügsten Lebewesen auf der Welt sind. Man hört das zwar zuweilen auch von Menschen, doch ein Dattelpalmenzwerg würde nur vergnügt schmunzeln und dazu nichts weiter sagen. Der Zwerg, der gerade aus dem Holz der Eiche gestiegen war, hieß Smyrna. Und wie er in diesen Eichenbaum kam, und was er für Dinge noch erleben sollte, das ist eine unglaublich spannende Geschichte.

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#thismorningwalk
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Uuuuund... noch'n Podcast hier: https://im-moor.net
(kann man ruhig hören. ist seehehr gut))
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Weihnachtshexe Beffaná FYI Ich hab
einige Songs meiner diesjährigen 24-teiligen-Podcast-Serie über die Weihnachtshexe Beffaná in...
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Habs mir gerade angehört.
Cooler Text. Frohes Neues!
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Brückengeländer
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